Am 5. September fand an der Regattastrecke Oberschleißheim der vierte Munich Backyard Ultra statt.
Beim Backyard läuft jeder für sich, aber nie allein.
Die Herausforderung: Eine Runde hat 6,706 Kilometer. Immer zur vollen Stunde startet die Runde und muss vor Ablauf der 60 Minuten beendet werden.
Wird die Runde innerhalb der 60 Minuten absolviert, bleibt die restliche Zeit um sich auszuruhen und zu verpflegen. Wird die Runde nicht in den 60 Minuten gefinisht oder steht man nicht wieder zur vollen Stunde am Start, folgt ein DNF (Did Not Finish). Es wird so lange gelaufen, bis nur noch eine Person übrig ist.
Da ich letztes Jahr schon Spaß an diesem Format gefunden hatte, stand ich dieses Jahr wieder an der Startlinie.
Bereits früh am Morgen füllte sich das Läuferlager, ein großer Platz, auf dem die meisten Sportlerinnen und Sportler mit ihren Supportern Pavillons aufgebaut hatten. Hier wurde sich die Zeit bis zum Start um 10 Uhr vertrieben. Dann gingen 457 Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei strömenden Regen auf ihre erste Runde.
In der ersten Runde wurde erst einmal der Kurs um die Regattastrecke kennengelernt: Zwei Geraden mit je 2,2 km zum Anfang. Dann wartete die Cheering-Zone, die sich später im Rennen noch als wichtiger Anker beweisen sollte, bevor es in den zweiten Teil durch einen kleinen Wald wieder zurück auf die Regattastrecke ging. Der Treppe im Wald schenke ich hier keine weitere Beachtung, da wir mit fortschreitender Rundenzahl kollektiv beschlossen haben, dass die Treppe nach dem Event abgerissen werden muss.
Wieder im Ziel hieß es: Erstmal den eigenen Pavillon finden, auf trockene Laufklamotten wechseln, verpflegen und pünktlich vor der nächsten vollen Stunde wieder im Startbereich stehen.
Ab Runde 2 kam die Sonne langsam hinter den Wolken hervor und die Stimmung wurde immer besser. Hierzu trugen neben dem DJ am Start und den Zuschauern in der Cheering-Zone auch ein DJ auf seinem Lastenrad bei, der einen Großteil der Runde mitfuhr. Die Stimmung war irgendwo zwischen Lauftreff und Festival-Campingplatz.
So verging Runde um Runde und die Temperaturen stiegen Richtung 30°C. Neben Bananen, Marmeladentoast und Instant-Kartoffelbrei in den Pausen, wurde sich auf der Laufstrecke viel unterhalten. Einen Motivationsschub gab verlässlich jede Runde die Anfeuerungen der Support-Crews und die Party in der Cheering-Zone. Hier wurde ausnahmslos jeder angefeuert, was nach knapp 4,5 km gerader Asphaltstrecke wirklich guttat.
Nach Runde 8 (8 Stunden) waren es noch 334 Läuferinnen und Läufer, die sich auf die neue Runde machten. Mit Marmeladentoast im Bauch und Iso-Flasche in der Hand nahm ich auch diese Runde in Angriff.
Allmählich wurde es dunkel, weshalb ab 20 Uhr mit Stirnlampe und Warnweste gelaufen werden musste. Zu diesem Zeitpunkt liefen noch 266 Athletinnen und Athleten. Auf der Runde wurde es deutlich ruhiger und viele liefen für nun sich.
Um kurz vor 23 Uhr konnte ich meine 13. Runde beenden und beschloss überglücklich, dass es das für mich heute gewesen sein sollte. Ich läutete die für dieses Format obligatorische Glocke und besiegelte damit offiziell mein DNF. Nach 87 km und einer reinen Laufzeit von 10:12 Std. war ich sehr froh mich in den Pavillon zu legen und nicht einige Minuten später wieder auf die neue Runde gehen zu müssen.
Vielen Dank an meine Support-Crew (Moni, Walter und Sebastian), die mir jede Runde Brote schmierten, Iso anmischten und mich motivierten, noch eine weitere Runde zu laufen. Ohne euch wäre ich nicht bis Runde 13 gekommen!
Übrigens: Am Montagmorgen (7.9.) fiel die Entscheidung in der 43. Runde: Es war nur noch ein Teilnehmer übrig und dieser absolvierte die letzte Runde allein. Damit stand der Sieger des 4. Munich Backyard Ultra nach 288,1 Kilometern und 43 Stunden fest.
Johannes Thein
